Alte sind komisch und eine Herausforderung für die Nerven?

Sie können eine Herausforderung für die Nerven sein. Oder die Rettung, weil sie die Ruhe und Erfahrung haben, die Jüngeren fehlen. Als „Silver Surfer“ oder Ewiggestrige haben sie komisches Potenzial. Und gleichzeitig schaut ihnen der Tod über die Schulter. Alte Menschen geben wunderbare Romanfiguren ab.

 

Ich rege mich ja selten richtig auf.

Aber das steht ernstlich als Einleitung zu einer Vorstellung einiger Romane und Erzählungen, die von alten Menschen handeln in der Internet-Ausgabe des „Bücher-Magazins“, dem selbst ernannten „Premium-Magazin für anspruchsvolle Literaturfans“. 

 

Seine Leserstruktur beschreibt das Magazin so: „[Die Leser sind] … vorwiegend weiblich (65%), gebildet und haben ein großes Interesse an der Literatur sowohl in Buch- als auch in Hörbuch-Form. Die meisten Leser sind älter als 35 Jahre und verfügen über ein höheres Haushaltseinkommen.“

 

Hoffentlich sind die Leser nicht so ignorant und vorurteilsbehaftet, wie das Magazin sie offensichtlich einschätzt und wie der unbekannte Verfasser zweifelsohne ist. Ihm oder ihr möchte ich zurufen: „Übrigens … alte Menschen waren auch mal jung – und sind höchstens in Ihrer Fantasie Kandidaten für die Kuriositätenkabinette und Freakshows der historischen Jahrmärkte.“

 

 

Doch was soll’s – es lohnt nicht. Der- oder diejenige wird es im besten Fall selbst erleben, nämlich, wenn es ihm oder ihr vergönnt ist, das Seniorenalter selbst zu erreichen :-)

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Kommentare: 4
  • #1

    Peter Hakenjos (Samstag, 02 April 2016 20:07)

    Ja, so ist das: Viele spüren nicht, was sie für einen Unsinn schreiben. Sieht man sich in SPON die Gesichter der Redakteure an - kaum einer ist bereits 40! - dann weiß man auch warum. In den Redaktionen sitzen meist ausschließlich junge Menschen.
    Ich verstehe wirklich nicht, warum es in der Literatur und im Film nicht mehr alte Protagonisten gibt. Vermutlich sehen die meisten Autoren, auch jene die selbst alt sind, uns als deppert an.

  • #2

    Roswitha Casimir (Sonntag, 03 April 2016 11:26)

    Es geht noch weiter mit der Idiotie:

    Da gibt es tatsächlich eine Ausbildung zur "ehrenamtlichen Altersberatung" und zwar um "älteren Menschen die Möglichkeiten aufzeigen, wie man möglichst lange selbstständig im Alter zu Hause bleiben kann mit den Angeboten vor Ort, Nachbarschaftshilfe, Fahrdienste, Begleitservice bei Ämtern und Arzt, usw."
    Es ist wohl noch niemand aufgefallen, wie absurd es ist, junge Menschen darin auszubilden, wie Alte im Alter leben sollen - und dass eine Beratung älterer Menschen eine ideale Aufgabe für die sog. jungen Alten wäre???

    Weiterhin gibt es Jungunternehmer (+/- 30/40 Jahre alt), die allen Ernstes mit dem Schlagwort "Wir leben das Alter" agieren. Ich bin gerade dabei, mir die Webseite www.basenio.de genauer anzusehen. Auf den ersten Blick eine raffiniert verpackte Seite zur Produktplatzierung.

  • #3

    Eleonore Zorn (Mittwoch, 13 Juli 2016)

    Eine meiner Bekannten wird zur Zeit gerade zur "ehrenamtlichen Altersberaterin" ausgebildet. Sie ist 70 und noch gut zu Fuß. Die Ausbildung ist vielseitig und sehr interessant und wird auf jeden Fall für sie selbst nützlich sein.
    Ob Sie irgendwelchen ihr anvertrauten anderen älteren Menschen eine wirkliche Hilfe sein wird, das muss sich nach und nach zeigen. Ich bin auch schon gespannt.

    Mich selbst stört es auch immer, wenn ich sehe, dass viel zu junge Leute mit solchen Aufgaben betreut werden. Sie haben oft keine Vorstellung von dem, was ein alter Mensch wirklich braucht.

  • #4

    Roswitha Casimir (Donnerstag, 14 Juli 2016 08:59)

    Liebe Eleonore Zorn, schön, das zu hören. So soll es sein, und ich hoffe, es bleibt kein Ausnahmefall.