Materielle Situation - drohende Altersarmut

Hier ein weiteres Textfragment, das es nicht in unser Buch »Die Alten 3.0« geschafft hat.

Dort haben wir die finanzielle Seite des Lebens im Alter bewusst nur eingeschränkt beleuchtet, weil es jenseits des Erwerbslebens nun einmal nur noch sehr eingeschränkte Möglichkeiten gibt, die finanzielle Lage aus eigener Kraft zu verbessern. Außerdem fühlen wir uns fachlich und persönlich nicht qualifiziert, Anderen finanzielle Ratschläge zu geben, schon gar nicht zur Altersvorsorge. Nicht einmal eigene Erfahrungen zur Rente können wir weitergeben, da wir zu lange im Ausland gelebt haben, um uns mit dem deutschen Rentensystem auszukennen. Auch das Riestern und Rürupen war und ist für uns ein Buch mit sieben Siegeln.

Das Thema der Altersarmut hingegen haben wir im Buch ausführlich besprochen - deutlich bevor im April 2016 auch die Politik darauf aufmerksam wurde und plötzlich von den noch kurz zuvor geäußerten Beschwichtigungen nichts mehr wissen will ...

 

Materielle Situation

 

»Dass es mir finanziell gut geht, dass ich finanziell keine Sorgen habe« ist ein ebenfalls vorrangig genannter Wunsch bei Umfragen unter Älteren. Nur allzu verständlich.

 

Studien vermitteln uns unisono, dass die materielle Situation der älteren Generation heutzutage wesentlich gefestigter sei als noch vor 20 oder 30 Jahren. Heute seien die älteren Menschen mit ihrer materiellen Lage zufriedener als jede andere Generation zuvor, die finanziellen Spielräume hätten sich im Vergleich zu anderen Altersgruppen in den letzten Jahrzehnten hervorragend entwickelt. Dazu wohnten überdurchschnittlich viele Menschen der Altersgruppe ab 65 Jahren in einer eigenen Immobilie, was weitere erhebliche finanzielle Vorteile mit sich bringe.

 

Im Gegensatz dazu stehen die Aussagen zu Armutsrisiko und Armutsgefährdung im Alter, die wir schon ausführlich besprochen haben und die von der Politik regelmäßig relativiert oder zurückgewiesen werden.

 

Trotz aller Behauptungen des Gegenteils ist eine Auseinanderentwicklung der finanziellen Spielräume der sozialen Schichten zu beobachten. Um es einfach auszudrücken: Die Gutsituierten konnten ihre Situation verbessern, die der ohnehin Einkommensschwächeren wurde weiter geschmälert. Unterbrochene Erwerbsbiografien und zurückgehende Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden unserer Ansicht nach in der Zukunft dafür sorgen, dass sich die Einkommenssituation der Älteren in Deutschland durchschnittlich verschlechtert und sich die Schere zwischen den sozialen Schichten noch stärker öffnet.

 

Problematisch ist, wenn die negative materielle Situation erst gegen Ende des Erwerbslebens erkannt wird. Bekanntlich setzen sich die finanziellen Gegebenheiten im Alter aus den im Laufe des Lebens erworbenen Alterssicherungsansprüchen und einem eventuellen privaten Vermögen zusammen. Ist erst einmal das Erwerbsleben beendet, werden die Möglichkeiten, daran etwas positiv zu ändern, deutlich geringer.

 

Sehen wir von Glücksspiel (bitte nicht!!!) ab, bleibt vielleicht die Möglichkeit einer Erbschaft. Auf die Deutschen kommt ein gewaltiges Vermögen zu. Bis zum Jahr 2020 sollen einer Studie zufolge 2,6 Billionen (2.600 Milliarden!) Euro vererbt werden. Vielleicht gehören Sie ja zu den Glücklichen, aber insgesamt wird sich diese riesige Erbschaftssumme äußerst ungleich verteilen und werden die Erbschaften das Wohlstandsgefälle weiter verschärfen. Tendenziell erben diejenigen, die ohnehin schon gut verdienen und wohlhabender sind als der Durchschnitt. Das erklärt sich damit, dass Besserverdiener in der Regel eine bessere Ausbildung genossen haben, weil sie im Gegensatz zum Durchschnitt der Bevölkerung aus einem wohlhabenden Elternhaus stammen, das mehr Geld in die Bildung der Kinder investieren konnte.

 

Alles in allem und statistisch gesehen, geht es den deutschen Ruheständlern offensichtlich durchschnittlich besser als den meisten Senioren in anderen Ländern, was für den Einzelnen natürlich nur ein schwacher Trost ist, wenn am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig ist.

Dies soll alles andere als zynisch klingen, ist es doch leider Realität. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0