Tauschring & Co.

Auch dieses Textfragment hat es letztlich nicht in unser Buch »Die Alten 3.0« geschafft. Es ist ein Thema, das man besser breiter und persönlicher, beispielsweise in einer Online-Diskussionsgruppe, bespricht als in wenigen Worten in einem Buch. Bekanntlich bieten wir eine Reihe Diskussionsgruppen - je nach Thema vertrauliche oder offene, im E-Mail-Verkehr, als Webforum oder bei Facebook - an. Dort findet auch dieses Thema seinen besseren Platz.

Sollten Sie Interesse an der Teilnahme einer solchen Gruppe haben, schreiben Sie mir einfach.

 

Tauschringe

 

Im Alter können wir zu einer grundsätzlichen Verbesserung unserer wirtschaftlichen Lage selbst nur noch wenig tun.

Allerdings können wir Ihnen dazu vielleicht einen »Querdenker«-Tipp geben:

 

Ist Ihnen das Konzept der Tauschringe bekannt, vielleicht schon vertraut? Wenn ja, dann wissen Sie, worauf wir hinaus wollen. Für die anderen: Ein Tauschring (auch Tauschkreis, Tauschzirkel oder Tauschnetz) ist eine Art Nachbarschaftshilfeverein, in dem vorrangig Dienstleistungen, aber auch Waren, ohne Einsatz gesetzlicher Zahlungsmittel zwischen den Teilnehmern getauscht werden.

 

Die Grundidee geht auf den wallonischen Kaufmann Silvio Gesell (1862–1930) und seine »Freigeld«-Theorie zurück.

Ab 1983 erfuhr die Idee, aus Kanada kommend, eine Wiedergeburt mit der Gründung so genannter LETS-Netzwerke. In Deutschland entstanden die ersten Tauschringe in den 1990er Jahren. Der ganz große Boom ist derzeit zwar vorbei, doch die Idee erhält neuen Aufwind, seitdem das gemeinsame Nutzen, Tauschen und Verleihen in der jüngeren Generation stark zugenommen hat und mittlerweile zum Lifestyle gehört. Unter dem Modewort »Shareconomy«  sind viele neue Formen entstanden, wie Repair-Cafés, Wohnungssharing, Booksharing, Coworking oder sogar das Sharing von Finanzen und Versicherungen. Dazu passt das Konzept der Tauschringe perfekt.

 

Heutzutage gibt es über 300 große und kleinere Tauschringe in Deutschland – ungleich mehr wurden allerdings gegründet und früher oder später wieder eingestellt. Denn: Tauschringe sind mit Sicherheit eine tolle Sache, keineswegs nur für Menschen mit geringerem Einkommen geeignet, sondern vor allem zur Begegnung mit anderen Menschen ganz im Sinn von Nachbarschaftshilfe und zum Aufbau eines sozialen Netzes. Es bedarf andererseits jedoch viel Engagement, Einsatz und Arbeit, um einen Tauschring zu gründen und am Laufen zu halten.

 

Vielleicht eine neue ehrenamtliche Tätigkeit für … Sie?

Bringen Sie doch den vielleicht eingeschlafenen Tauschring in Ihrer Gegend wieder zum Laufen – oder gründen Sie einen neuen!

 

 

Nachbarschaftshilfe, soziale Dienstleistungen, soziale Kontakte

 

Mit dem Vorschlag der Tauschringe sind wir bereits bei diesem Thema, bei einem Tauschring handelt sich schließlich um eine Selbsthilfe-Initiative, die die Förderung der Nachbarschaftshilfe beinhaltet. Solche Initiativen, wir haben es bereits erwähnt, eignen sich ideal für Senioren, um eine neue, befriedigende Aufgabe zu finden, der Gefahr einer altersbedingten Isolation zu entgehen und den eigenen Bekannten-, vielleicht sogar Freundeskreis zu erweitern.

 

Älterwerden bedeutet Umorientierung und erfordert die Schaffung einer der neuen Situation angepasste, den eigenen Vorstellungen entsprechende neue Lebenssituation. Neue Lebenssituationen wiederum sind vielfach durch den Wegfall sozialer Kontakte gekennzeichnet. Es gilt, nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, wie ein möglichst solides eigenes soziales Netz geknüpft werden kann.

 

Sollte bisher bei den Älteren noch eine gewisse Zurückhaltung bei den digitalen Medien zu verzeichnen sein, folgen in Kürze eindeutig Generationen nach, bei denen das Gegenteil der Fall ist. ARD/ZDF-Onlinestudie 2015 zeigt, dass nicht nur 80 Prozent der Deutschen online sind, sondern »Zuwachsraten vor allem von den Über-60-Jährigen aus[gehen], von denen inzwischen die Hälfte das Internet nutzt«.

 

Sollten Sie sich mit Umgang und Bedienung von Laptops, Tablets oder Smartphones schwertun, können Sie es lernen – wenn Sie dazu bereit sind. Der Umgang mit diesen Medien wird Sie – guter Wille, Geduld und Motivation sowie geeignete Einweisung vorausgesetzt – kaum vor unüberwindliche Verständnisprobleme stellen. Es ist nicht erforderlich, alles zu können, alle Medien und jedes Detail zu beherrschen und pausenlos zu benutzen (Wir zum Beispiel verweigern uns den Smartphones … mal sehen, wie lange noch …).

 

Gerade wir Älteren sollten pragmatisch überlegen, wie sehr soziale Netzwerke, Internet-Diskussionsgruppen, Internetshops oder oder (Video)-telefonieren (skypen) via Internet das eigene Leben bereichern und erleichtern können. Die Nutzung ausgewählter Angebote kann das Gefühl stärken, am Leben teilzuhaben und birgt gerade im Alter und bei nachlassender Mobilität große Chancen zur Knüpfung, Verbesserung und Aufrechterhaltung sozialer Kontakte. Das können mittlerweile viele 80- oder 85-Jährige und noch Ältere bestätigen, die sich ganz selbstverständlich und zunehmend im Netz tummeln.

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