Flexi-Rente - oder Flexi-Rentis?

Man sagt den Alten ja gern nach, sie hätten die Fähigkeit verloren, sich auf Neues einzustellen und scheuten Veränderungen.

Wussten Sie, dass der Staat immer mal wieder testet, wie es bei uns mit der Flexibiliät bestellt ist?

 

Bekanntlich verursacht die Bundesregierung in den letzten Jahren insbesondere auf dem Gebiet der Rentenregelungen höchstmögliche Verwirrung durch ständige Änderungen und widersprüchliche Aussagen und Empfehlungen. Vielleicht, um zu vertuschen, dass der finanziell gesicherte Lebensabend für die allermeisten älteren Arbeitnehmer genau so sicher ist, wie der Ausgang der nächsten Bundestagswahl. Natürlich auch, um seine eigenen finanziellen Ausgaben möglichst gering halten. Warum alten Menschen einen sorgenfreien Lebensabend schenken, wenn sie auch trotz Sorgen funktionieren.

Sicherheitshalber liegt es der Bundesregierung aber daran zu testen, wie duldsam und flexibel die älteren Bürger noch sind.  

 

Rente mit 65. Super: Riester. Toll: Rürup. Nein, Rente doch besser mit 67. Frührente mit Abschlägen, Frührente ohne Abschläge. Ha! Rente jetzt mit 63. Altersteileit ja, Altersteilzeit jein. "Riester" ist gescheitert. "Rürup"? Was war das gleich nochmal?

Praktisch jährlich gibt es neue Rentenregelungen und Empfehlungen. Der moderne Alte nimmt es gelassen hin.

   

So verwunderte es ihn auch nicht, dass sich die Koalition 2014 mit Diskussionen über eine Rentenreform (ach was?) und die Möglichkeiten eines flexiblen Renteneinstiegs beschäftigte. Seit November 2015 war nach der vagen Ankündigung der Verhandlungsergebnisse wieder Ruhe. Das Thema schien, wie so oft, ad acta gelegt zu sein. Es war ja noch weit bis zur nächsten Wahl.

 

Nun aber hat sich die Große Koalition innerhalb weniger Tage auf ein Modell zum flexiblen Einstieg in die Rente geeinigt. Oh, woher kommt dieser Aktivismus? Noch dazu, wo doch gerade Frühjahrsmüdigkeit herrscht und der Wahlkampf noch gar nicht begonnen hat ...? War da jemandem vielleicht einfach langweilig - jetzt, wo kaum mehr Asylsuchende kommen ...?

 

Der neuen Rente, die der Focus gar Wunderrente nennt, gab man auch gleich einen griffigen Namen: Flexi-Rente.

Es stellt sich indes die Frage, ob man nicht besser die sehr flexiblen künftigen Ruhegeldempfänger Flexi-Rentis nennen sollte ...

 

Was ich so auf die Schnelle gelesen habe, gibt es anscheinend eine Reihe von vernünftigen Ansätzen. Längeres Arbeiten, auch deutlich über die Altersgrenze hinaus, soll attraktiver werden, aber auch wer früher, ab 63, in Rente gehen möchte, soll flexibler sein und z.B. mehr hinzu verdienen können.

Die Zeit wird zeigen, ob es eine "Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer" wird, wie der Unions-Arbeitsmarktexperte Karl Schiewerling (CDU) versichert - oder ob es sich um eine "Verbilligung der Arbeitskraft älterer Menschen" handelt, wie der DGB kritisiert.

 

Aber was sollen wir darüber groß nachdenken; ich vermute, dass spätestens nach der Bundestagswahl die nächste Sau durchs Dorf ... äh ... die Reform der Reform der Reform dieser Reform diskutiert wird. Nur eines befürchte ich: Sichtbare Verbesserungen in der Geldbörse des gemeinen Rentenempfängers werden auch dann ausbleiben. 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Lotte Ramke (Donnerstag, 12 Mai 2016 07:57)

    Das Problem ist, was immer sich die wechselnden Regierungskoalitionen und immer gleichen (?) Parteien sich ausdenken und letztlich beschließen - in der Regel betrifft es diejenigen, die noch vor dem Renteneintritt stehen. Kann also kaum die aktuellen Rentenempfänger mobilisieren, die an dieser Stelle jeweils nur, wenn überhaupt, mit Achselzucken reagieren.
    Die turnusmäßigen Rentenerhöhungen ("Anpassungen") dagegen sind einigermaßen verlässlich. Mit dem wiederum sehr differenzierten Problem, dass sie den Rentenempfänger*innen am unteren Ende der Skala - die sie wirklich gebrauchen könnten - nicht zugute kommen, weil Grundsicherung zurücknimmt, was hier an Steigerung kommt (das staatliche Zweitaschenprinzip). Darüber wird eher nicht geredet, weil die betroffenen, etwa 10-19% der Rentner*innen, andere Probleme haben. Zum Beispiel niemanden, der ihnen zuhört...

  • #2

    Roswitha Casimir (Donnerstag, 12 Mai 2016 11:02)

    Ich stimme absolut zu. Es ist ein trauriger Teufelskreis, in dem die nachteilig Betroffenen eine noch schwächere Position haben als zu jüngeren Lebzeiten :-(