Autoren-Blog

 

 

 

Wer hier bloggt und warum, steht im ersten Eintrag dieses Blogs.

 

Kennen Sie schon blogs50plus.de? Wer sich für Blogs interessiert, die von älteren Benutzern betrieben werden, ist dort goldrichtig. Wir sind natürlich auch vertreten ;-)


Wir sind dann mal weg ...

In letzter Zeit fielen mir immer wieder Artikel und Blogbeiträge auf, die über Internet-Abstinenz berichteten. Wie zum Beispiel: http://www.trnd.com/de/blog/urlaub-vom-internet/ Sei es wochenweise, quasi als Urlaub vom Internet oder gar dauerhaft - immer mehr Menschen scheinen sich für einen teilweisen oder vorübergehenden Ausstieg zu entscheiden.

 

Mich erinnert das an die Frühzeit des Internets zur Privatnutzung, als ebenfalls über Onlinesucht geredet wurde. Vorreiterin war damals die Psychologin Kimberley Young, die 1996 das erste Zentrum für Onlinesucht gründete und mit ihren Veröffentlichungen Furore machte.

In diesen 1990er Jahren hatte ich damit angefangen, das Wochenende internetfrei zu halten.

 

Wirklich onlinesüchtig musste ich mich wohl zu keiner Zeit einschätzen, aber das Internet und die sozialen Medien gehören doch sehr zu meinem Leben. Vielleicht zu sehr. Deswegen gehe ich auch mal in Urlaub, ein, zwei oder auch mehr Wochen will ich nur über E-Mail erreichbar sein. Mal sehen, wie es mir dabei geht. 

 

Ich habe ja ein tolles Vorbild zuhause: Roger, mein ehemals wirklich onlinesüchtiger Göttergatte, der durch seine frühere Tätigkeit der Online-Spieleentwicklung jahrelang mehr oder minder im Internet lebte, hat es schon lange geschafft, es nur noch zielgerichtet und sehr kontrolliert einzusetzen. Allerdings verlässt er sich dabei auf mich, dass ich in den sozialen Medien präsent bin, die Webseiten pflege, die E-Mail abrufe und beantworte. Das fällt nun weg ... ;-)

 

Liebe Leser, bis bald und irgendwann! Lasst uns den Sommer genießen!

 

 

 

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Flexi-Rente - oder Flexi-Rentis?

Man sagt den Alten ja gern nach, sie hätten die Fähigkeit verloren, sich auf Neues einzustellen und scheuten Veränderungen.

Wussten Sie, dass der Staat immer mal wieder testet, wie es bei uns mit der Flexibiliät bestellt ist?

 

Bekanntlich verursacht die Bundesregierung in den letzten Jahren insbesondere auf dem Gebiet der Rentenregelungen höchstmögliche Verwirrung durch ständige Änderungen und widersprüchliche Aussagen und Empfehlungen. Vielleicht, um zu vertuschen, dass der finanziell gesicherte Lebensabend für die allermeisten älteren Arbeitnehmer genau so sicher ist, wie der Ausgang der nächsten Bundestagswahl. Natürlich auch, um seine eigenen finanziellen Ausgaben möglichst gering halten. Warum alten Menschen einen sorgenfreien Lebensabend schenken, wenn sie auch trotz Sorgen funktionieren.

Sicherheitshalber liegt es der Bundesregierung aber daran zu testen, wie duldsam und flexibel die älteren Bürger noch sind.  

 

Rente mit 65. Super: Riester. Toll: Rürup. Nein, Rente doch besser mit 67. Frührente mit Abschlägen, Frührente ohne Abschläge. Ha! Rente jetzt mit 63. Altersteileit ja, Altersteilzeit jein. "Riester" ist gescheitert. "Rürup"? Was war das gleich nochmal?

Praktisch jährlich gibt es neue Rentenregelungen und Empfehlungen. Der moderne Alte nimmt es gelassen hin.

   

So verwunderte es ihn auch nicht, dass sich die Koalition 2014 mit Diskussionen über eine Rentenreform (ach was?) und die Möglichkeiten eines flexiblen Renteneinstiegs beschäftigte. Seit November 2015 war nach der vagen Ankündigung der Verhandlungsergebnisse wieder Ruhe. Das Thema schien, wie so oft, ad acta gelegt zu sein. Es war ja noch weit bis zur nächsten Wahl.

 

Nun aber hat sich die Große Koalition innerhalb weniger Tage auf ein Modell zum flexiblen Einstieg in die Rente geeinigt. Oh, woher kommt dieser Aktivismus? Noch dazu, wo doch gerade Frühjahrsmüdigkeit herrscht und der Wahlkampf noch gar nicht begonnen hat ...? War da jemandem vielleicht einfach langweilig - jetzt, wo kaum mehr Asylsuchende kommen ...?

 

Der neuen Rente, die der Focus gar Wunderrente nennt, gab man auch gleich einen griffigen Namen: Flexi-Rente.

Es stellt sich indes die Frage, ob man nicht besser die sehr flexiblen künftigen Ruhegeldempfänger Flexi-Rentis nennen sollte ...

 

Was ich so auf die Schnelle gelesen habe, gibt es anscheinend eine Reihe von vernünftigen Ansätzen. Längeres Arbeiten, auch deutlich über die Altersgrenze hinaus, soll attraktiver werden, aber auch wer früher, ab 63, in Rente gehen möchte, soll flexibler sein und z.B. mehr hinzu verdienen können.

Die Zeit wird zeigen, ob es eine "Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer" wird, wie der Unions-Arbeitsmarktexperte Karl Schiewerling (CDU) versichert - oder ob es sich um eine "Verbilligung der Arbeitskraft älterer Menschen" handelt, wie der DGB kritisiert.

 

Aber was sollen wir darüber groß nachdenken; ich vermute, dass spätestens nach der Bundestagswahl die nächste Sau durchs Dorf ... äh ... die Reform der Reform der Reform dieser Reform diskutiert wird. Nur eines befürchte ich: Sichtbare Verbesserungen in der Geldbörse des gemeinen Rentenempfängers werden auch dann ausbleiben. 

 

 

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Unsere Reichen und Schönen zum Altern

Was sagen unsere Schönen und Reichen eigentlich über das Altern? Allein in einem Zeitraum von weniger als einer Woche bin ich in Zeitschriften und Zeitungen - ohne systematisch zu suchen - auf folgende Schlagzeilen gestoßen:

 

Bud Spencer hat Spaß am Älterwerden.

Tina Ruland: "Älterwerden ist für mich kein Thema."

Der Rockmusiker Udo Lindenberg genießt das Älterwerden. "Es ist eine geile Sache, 70 zu werden", sagte Lindenberg.

Nach  Sissi Perlinger braucht man keine Angst vor dem Älterwerden zu haben.

Anna Friel hat keine Angst vor dem Alter.

"Ich möchte nicht mehr 20 sein", sagt Verona Pooth. Sie habe kein Problem mit dem Älterwerden. Neben dieser Aussage findet sich ein Porträt von ihr, das ihr einst lebendiges Gesicht starr, festgezurrt und ohne das geringste Fältchen mit ungleichmäßig aufgequollenen Lippen und riesigen Augen zeigt.

 

Hierzulande scheinen sich nur wenige bekannte Persönlichkeiten getrauen, differenziertere Aussagen zu machen. So wie Sky du Mont, für den das Älterwerden "nichts für Spaßbremsen ist" und der das Thema in seinem Buch  "Steh ich jetzt unter Denkmalschutz?" neben aller erfrischenden Lockerheit erfreulich profund behandelt, die Schattenseiten ehrlich und ohne jedes Selbstmitleid offenlegt und sich somit nicht auch noch selbst in die Tasche lügt.

Wenn man also schon unbedingt für Geburts- oder Ehrentage jenseits der 50+ ein Buch mit einem anzüglichen Titel verschenken muss, ist ein du Mont allemal empfehlenswerter als die aus den Staaten immer noch herüberschwappenden "heiteren" Texte rund um Seniorenteller und Rentnertreff ... oder die unsäglichen "Geschenkbücher für Ruhestand & Rente", die eigentlich gesetzlich verboten werden müssten ;-)   

 

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Altern - ein reines Frauenproblem?

Schon im Januar 2014 erschien das Buch von Bascha Mika: Mutprobe: Frauen und das höllische Spiel mit dem Älterwerden.

 

Da es aus unerfindlichen Gründen plötzlich erneut in den Schlagzeilen ist und in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften Artikel und Interviews gebracht werden, will ich jetzt doch ein paar Worte darüber verlieren, obwohl ich das ursprünglich nicht wollte.

 

Ich mag Bascha Mika. Wir sind fast gleich alt und ich sehe und höre sie vor allem gern im sonntäglichen Presseclub - eine der wenigen Sendungen des deutschen Fernsehens, die mein Mann und ich gemeinsam und sogar regelmäßig ansehen. Und natürlich habe ich ihr Buch 2014 gleich gelesen, schon deswegen, weil wir uns ja mit unserem Buch Die Alten 3.0 ebenfalls mit dem Älterwerden beschäftigen.

 

Mit jeder Seite, die ich las, wurde ich enttäuschter, zum Schluss fast zornig. Bis heute bringe ich die intelligente und gut aussehende Frau, die da sonntäglich öfter über den Bildschirm flimmert und durchaus kluge Sachen sagt, gedanklich nicht mit der Autorin zusammen, die dieses Buch in dieser Form geschrieben hat. Zwar bin ich längst nicht mit allem einverstanden, was sie im Presseclub sagt und welche Meinungen sie vertritt, aber dass wir zum Thema Frauen und Älterwerden eine so fundamental entgegengesetzte Sicht der Dinge haben - das hätte ich nicht gedacht.

 

"Männer werden älter", schreibt Mika, "doch Frauen werden alt gemacht." Schuld sei die böse "Gesellschaft" (wer auch immer das konkret sein mag), die die Frauen in die Rolle der Unterdrückten zwängen. Das Älterwerden erfordere für Frauen viel mehr Mut und Kraft als für Männer, denn Schönheitswahn, Jugendkult, Leistungsdruck habe allein das schwache Geschlecht zu ertragen.

Als Beweis für ihre These führt sie an: "Wenn Frauen das Gefühl haben, sie laufen über die Straße, und Männer gucken sie nicht an, nehmen nicht mal wahr, da es es sie überhaupt gibt, dann leiden sie darunter."

 

Ach. Meint sie das wirklich ernst? Was um Himmels willen ist denn so Tolles  oder gar Wichtiges an oberflächlicher sexueller Aufmerksamkeit von Männern, denen man zufällig auf der Straße begegnet? Als ich in den 1970er Jahren mit kurzem Minirock und hautengem Top ganz selbstverständlich herumlief und dabei nicht nur jung, sondern wohl auch verhältnismäßig attraktiv war, pfiffen mir in der Tat Bauarbeiter oder der eine oder andere testosterongesteuerte Zeitgenosse regelmäßig hinterher.

 

Aber: Gefiel mir das? Nein, es störte mich. Im besten Fall fand ich es prollig und unerzogen, im schlimmsten Fall abstoßend. Und wenn es - leider! - nicht immer bei Pfiffen blieb, sondern ich "begrabscht" wurde, fühlte ich mich ob dieser sexuellen Belästigung zutiefst gedemütigt und beschämt. Einmal schürte das in mir eine derart intensive Wut, dass ich bei einer Busfahrt vor vielleicht 40 Jahren, als ein hinter mir sitzender Mann meinen Po zu streicheln versuchte, ich meine Beherrschung völlig verlor und mit meinem Aktenkoffer auf ihn einzuschlagen begann. Nur das Eingreifen meiner Mitfahrer verhinderte, dass ich den Mann ernsthaft verletzte. Ich bin bis heute aufgebracht, wenn ich an die Situation zurückdenke. Der Autorin dürfte hingegen wohl unverständlich sein, warum ich von dieser besonderen Art der männlichen Aufmerksamkeit nicht begeistert war.

 

Es stimmt, dass mir so etwas heutzutage nicht mehr passiert. Kein Mann pfeift mehr lüstern, wenn ich über die Straße gehe, keiner fasst mir an den Hintern, meine Brüste oder mein Geschlecht. Und zwar weil ich gealtert bin?

Ich empfinde es als befreiend, keine potentielle sexuelle Beute mehr zu sein. Ich bestreite, dass dies allein wegen meines freimütig zugegebenen, mittlerweile uninteressanten und eindeutig gealterten Äußeren und meines fortgeschrittenen Alters (ich bin 63) der Fall ist. Eine schnelle kleine Umfrage bei acht allesamt attraktiven Freundinnen und Verwandten im Alter von 19 bis 32 ergab:  Keine von Ihnen hat das Gefühl, überdurchschnittlich oft von Männern auf der Straße beobachtet zu werden, es sei denn in Ausnahmefällen, wenn sie sich besonders oder ungewöhnlich angezogen haben oder als Mädelsclique auftauchen. Und den berühmten pfeifenden Bauarbeiter scheint es gar nicht mehr zu geben. Wahrscheinlich ist er inzwischen auch Rentner ...;-)

 

Bascha Mika aber folgt daraus: "Frauen müssen sozusagen stellvertretend die Aggression gegen den menschlichen Verfall aushalten." Und Frauen würden allein wegen ihres Alters "soziale Kontakte, Beziehungen und Liebe vorenthalten".

 

Wie kann Bascha Mika derart pauschalieren und ernstlich den Gedanken entwickeln, Frauen könnten darunter leiden, nicht mehr belästigt zu werden? Gerade frage ich mich, ob sie angesichts der Vorfälle an Sylvester in Köln und anderen Innenstädten auch heute noch einen derart deplatzierten Vergleich zu Papier bringen würde. Das Schlimme an ihrem Buch ist vor allem, dass es ständig um diese vermeintliche im Alter böswillig vorenthaltene "Anerkennung" des anderen Geschlechts geht.

 

In einem Interview der Augsburger Allgemeine vom 29. April 2016 wurde sie gefragt, ob sie je Altersdiskriminierung bei sich selbst erlebt habe. Das verneinte sie und sagte: "Im Gegenteil,  ich bin an vielen Stellen sogar die Ausnahme. Denn während für Frauen häufig mit Anfang 50 Schluss ist auf der Karriereleiter – während Männer lustig weiter aufsteigen –, bin ich mit über 60 noch einmal Chefredakteurin geworden. Aber Ausnahmen bestätigen nur die Regel."

Die Möglichkeit, dass es sich genau umgekehrt verhält, nämlich dass sie die Regel und die von ihr beklagte Diskriminierung mittlerweile die Ausnahme ist, scheint ihr nicht in den Sinn gekommen zu sein.

 

Nicht ich selbst allein, sondern mein gesamtes weibliches Umfeld hat allein durch ihr Frausein nie berufliche Nachteile erlitten. Das sind Frauen in vielen verschiedenen Berufen, doch Mannequins, Schauspielerinnen, Nachrichtensprecherinnen oder Tänzerinnen gehören genauso wenig wie It-Girls, Society Ladies und "Top-Models" zu meinem direkten Bekanntenkreis. Ich will nicht abstreiten, dass Frauen es in einigen Berufen im fortgeschrittenen Alter schwerer als Männer haben und dass vor allem in der Medienindustrie der Jugendkult noch gilt. Aber auch dort sehe ich längst positive Veränderungen. Nachdem es zum Beispiel in Großbritannien und den Niederlanden schon lange und ganz selbstverständlich 60-jährige, gepflegte, aber eindeutig nicht geliftete Nachrichtensprecherinnen auch zur Primetime gibt, ist doch auch bei uns mittlerweile längst nicht mehr bei 30 Schluss, sondern eine ganze Reihe 50-Jähriger stehen weiter an vorderster Front und machen ihren Job. Einen guten und oft ganz ausgezeichneten Job.

 

"Sie scheinen auch im Privaten eine Ausnahme zu sein, denn Sie sind mit einem zehn Jahre jüngeren Mann verheiratet", wurde Bascha Mika weiter gefragt. "Wurden Sie deshalb schon einmal komisch angeschaut?"

 

Auch dies verneinte sie. Sie sieht den Grund darin, dass sie sich "in der Regel in aufgeklärten Kreisen" bewege. Doch "gesamtgesellschaftlich" sei eine solche Konstellation immer noch ziemlich selten. Frauen und Männer würden immer noch merkwürdig angeschaut, wenn die Frau wesentlich älter ist als der Mann. Auch da merke man wieder den doppelten Standard. Kein Mann werde diskriminiert, wenn er eine zehn, zwanzig oder sogar dreißig Jahre jüngere Frau hat.

 

Erneut stellt sich die Frage, ob Mika der Meinung ist, sich als einzige Frau in "aufgeklärten Kreisen" zu bewegen. Ich behaupte, dass auch die Kreise, in denen ich mich bewege, mehr oder minder aufgeklärt sind und da ist es - surprise surprise - fast immer ein Thema, wenn sich ein neues Paar gebildet hat ;-) Neugierig wie wir eben so sind. Und über den alten Knacker, der plötzlich eine deutlich jüngere Freundin hat, ziehen wir mindestens genauso her, wie über die alternde Nachbarin, die mit einem knackigen Studenten ausgeht. Und dann erst die beiden Arbeitskollegen, die sich kürzlich geoutet haben... <flüster_flüster> ... Wir finden's halt interessant und ich glaube, wir klatschen einfach gern. So wie die Menschen sowieso alles bemerkenswert finden, was nicht der Norm entspricht. Wobei ich aber zu bedenken gebe, dass Klatschen nicht notwendigerweise Diskriminierung ist.

 

Altersdiskriminierung jedoch gibt es - und nicht zu knapp. Aber sie ist nicht geschlechterspezifisch, Männer sind genauso betroffen wie Frauen. In unserer Welt sind Frauen nicht mehr die armen und hiflosen Opfer, als die Bascha Mika offensichtlich alle Frauen außer sich selbst sieht.

 

Obwohl wir seit über 10 Jahren das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz haben, ist Altersdiskriminierung nicht verschwunden. Im Arbeitsleben, wo sie früher offen erfolgte, wird sie nun eher vertuscht, in den gesellschaftlichen Bereichen hat sie zugenommen. Das ist es, woran wir unbedingt arbeiten müssen. Denn das Schlimme ist: Im Unterschied zu Ausländerfeindlichkeit oder der Benachteiligung von Frauen gibt es für Altersdiskriminierung noch immer zu wenig Bewusstsein in unserer Gesellschaft.

 

Auch deshalb hat Bascha Mika den Alten mit ihren abstrusen Thesen einen Bärendienst erwiesen!

 

Gottseidank bemerkt man im Presseclub, wenn sie klug und engagiert über aktuelle Themen diskutiert, nicht, wie sehr sie offensichtlich von männlich-sexueller Fremdwahrnehmung abhängig ist. Eigentlich habe ich fast ein bisschen Mitleid mit ihr, aber gleichzeitig ärgert mich, dass ihr insgesamt ziemlich dummes Buch jahrelang ziemlich viel Lob und positive Aufmerksamkeit bekommt und ihre Kollegen sich entweder nicht getrauen oder sich nicht die Arbeit machen, ihr einen ehrlichen Verriss zu schreiben, sondern sie auch zwei Jahre nach Erscheinen noch hofieren und den Umsatz anzukurbeln helfen.

 

Sie meinen, ich sei ja bloß neidisch?

Ja, stimmt. Aber ich habe auch recht ;-)

 

 

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"Webring reloaded": blogs50plus

Wenn Sie schon länger online sind und das WWW noch in seinen Kinderschuhen erlebt haben, werden Ihnen Webringe wohl bekannt sein. 

 

Die Idee der Webringe bestand darin, in der Zeit vor Google undmit noch sehr rudimentären Suchmöglichkeiten über Webkataloge und Linklisten, thematisch verwandte Webseiten durch Links miteinander zu verknüpfen und auf den einzelnen Seiten übersichtlich darzustellen. Dadurch erhofften sich die Betreiber der teilnehmenden Webseiten mehr Besucher auf ihren eigenen Seiten. Im Gegenzug wurde ein Link auf eine andere Webseite des Webrings oder eine komplette Linkliste mit allen Seiten des Webrings veröffentlicht.

 

Heute mag es immer noch Webringe geben, doch die meisten haben ihren Sinn verloren. Themensuche geht mit Google punktgenau und sekundenschnell.

 

Doch auch Google hat natürlich seine Grenzen: 

Selbst mit der besten Suchstrategie lassen sich nicht alle relevanten Internetseiten auffinden. Zum einen kennt keine Suchmaschine alle Seiten, die es im Internet gibt. Alles, was eine Suchmaschine nicht indexiert, kann sie logischerweise auch nicht als Ergebnis ausgewerfen. Und zum anderen können wir zwar alle möglichen Inhalte suchen und werden meistens auch fündig, aber beispielsweise Informationen über die Person des Verfassers bestimmter Themenartikel sind auf direktem Weg nicht zu bekommen.  Dies musste ich schmerzlich feststellen, als ich versuchte, Autoren zu finden, die nicht notwendigerweise über das Alter schreiben, aber selbst alt oder älter sind.

 

Ähnlich scheint es den Bloggerinnen  Maria Al-Mana  und Uschi Ronnenberg ergangen zu sein, die die Seite blogs50plus entwickelt haben und seit Februar 2016 betreiben. Auf dieser einem Webring durchaus ähnlichen Liste finden sich Verweise zu Blogs, die von Menschen der Generation 50+ betrieben werden.

 

In meinen Augen ein sehr interessanter Ansatz. 

Ich habe mich gleich angemeldet und werde das Projekt mit Interesse verfolgen :-)

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Tauschring & Co.

Auch dieses Textfragment hat es letztlich nicht in unser Buch »Die Alten 3.0« geschafft. Es ist ein Thema, das man besser breiter und persönlicher, beispielsweise in einer Online-Diskussionsgruppe, bespricht als in wenigen Worten in einem Buch. Bekanntlich bieten wir eine Reihe Diskussionsgruppen - je nach Thema vertrauliche oder offene, im E-Mail-Verkehr, als Webforum oder bei Facebook - an. Dort findet auch dieses Thema seinen besseren Platz.

Sollten Sie Interesse an der Teilnahme einer solchen Gruppe haben, schreiben Sie mir einfach.

 

Tauschringe

 

Im Alter können wir zu einer grundsätzlichen Verbesserung unserer wirtschaftlichen Lage selbst nur noch wenig tun.

Allerdings können wir Ihnen dazu vielleicht einen »Querdenker«-Tipp geben:

 

Ist Ihnen das Konzept der Tauschringe bekannt, vielleicht schon vertraut? Wenn ja, dann wissen Sie, worauf wir hinaus wollen. Für die anderen: Ein Tauschring (auch Tauschkreis, Tauschzirkel oder Tauschnetz) ist eine Art Nachbarschaftshilfeverein, in dem vorrangig Dienstleistungen, aber auch Waren, ohne Einsatz gesetzlicher Zahlungsmittel zwischen den Teilnehmern getauscht werden.

 

Die Grundidee geht auf den wallonischen Kaufmann Silvio Gesell (1862–1930) und seine »Freigeld«-Theorie zurück.

Ab 1983 erfuhr die Idee, aus Kanada kommend, eine Wiedergeburt mit der Gründung so genannter LETS-Netzwerke. In Deutschland entstanden die ersten Tauschringe in den 1990er Jahren. Der ganz große Boom ist derzeit zwar vorbei, doch die Idee erhält neuen Aufwind, seitdem das gemeinsame Nutzen, Tauschen und Verleihen in der jüngeren Generation stark zugenommen hat und mittlerweile zum Lifestyle gehört. Unter dem Modewort »Shareconomy«  sind viele neue Formen entstanden, wie Repair-Cafés, Wohnungssharing, Booksharing, Coworking oder sogar das Sharing von Finanzen und Versicherungen. Dazu passt das Konzept der Tauschringe perfekt.

 

Heutzutage gibt es über 300 große und kleinere Tauschringe in Deutschland – ungleich mehr wurden allerdings gegründet und früher oder später wieder eingestellt. Denn: Tauschringe sind mit Sicherheit eine tolle Sache, keineswegs nur für Menschen mit geringerem Einkommen geeignet, sondern vor allem zur Begegnung mit anderen Menschen ganz im Sinn von Nachbarschaftshilfe und zum Aufbau eines sozialen Netzes. Es bedarf andererseits jedoch viel Engagement, Einsatz und Arbeit, um einen Tauschring zu gründen und am Laufen zu halten.

 

Vielleicht eine neue ehrenamtliche Tätigkeit für … Sie?

Bringen Sie doch den vielleicht eingeschlafenen Tauschring in Ihrer Gegend wieder zum Laufen – oder gründen Sie einen neuen!

 

 

Nachbarschaftshilfe, soziale Dienstleistungen, soziale Kontakte

 

Mit dem Vorschlag der Tauschringe sind wir bereits bei diesem Thema, bei einem Tauschring handelt sich schließlich um eine Selbsthilfe-Initiative, die die Förderung der Nachbarschaftshilfe beinhaltet. Solche Initiativen, wir haben es bereits erwähnt, eignen sich ideal für Senioren, um eine neue, befriedigende Aufgabe zu finden, der Gefahr einer altersbedingten Isolation zu entgehen und den eigenen Bekannten-, vielleicht sogar Freundeskreis zu erweitern.

 

Älterwerden bedeutet Umorientierung und erfordert die Schaffung einer der neuen Situation angepasste, den eigenen Vorstellungen entsprechende neue Lebenssituation. Neue Lebenssituationen wiederum sind vielfach durch den Wegfall sozialer Kontakte gekennzeichnet. Es gilt, nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, wie ein möglichst solides eigenes soziales Netz geknüpft werden kann.

 

Sollte bisher bei den Älteren noch eine gewisse Zurückhaltung bei den digitalen Medien zu verzeichnen sein, folgen in Kürze eindeutig Generationen nach, bei denen das Gegenteil der Fall ist. ARD/ZDF-Onlinestudie 2015 zeigt, dass nicht nur 80 Prozent der Deutschen online sind, sondern »Zuwachsraten vor allem von den Über-60-Jährigen aus[gehen], von denen inzwischen die Hälfte das Internet nutzt«.

 

Sollten Sie sich mit Umgang und Bedienung von Laptops, Tablets oder Smartphones schwertun, können Sie es lernen – wenn Sie dazu bereit sind. Der Umgang mit diesen Medien wird Sie – guter Wille, Geduld und Motivation sowie geeignete Einweisung vorausgesetzt – kaum vor unüberwindliche Verständnisprobleme stellen. Es ist nicht erforderlich, alles zu können, alle Medien und jedes Detail zu beherrschen und pausenlos zu benutzen (Wir zum Beispiel verweigern uns den Smartphones … mal sehen, wie lange noch …).

 

Gerade wir Älteren sollten pragmatisch überlegen, wie sehr soziale Netzwerke, Internet-Diskussionsgruppen, Internetshops oder oder (Video)-telefonieren (skypen) via Internet das eigene Leben bereichern und erleichtern können. Die Nutzung ausgewählter Angebote kann das Gefühl stärken, am Leben teilzuhaben und birgt gerade im Alter und bei nachlassender Mobilität große Chancen zur Knüpfung, Verbesserung und Aufrechterhaltung sozialer Kontakte. Das können mittlerweile viele 80- oder 85-Jährige und noch Ältere bestätigen, die sich ganz selbstverständlich und zunehmend im Netz tummeln.

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Materielle Situation - drohende Altersarmut

Hier ein weiteres Textfragment, das es nicht in unser Buch »Die Alten 3.0« geschafft hat.

Dort haben wir die finanzielle Seite des Lebens im Alter bewusst nur eingeschränkt beleuchtet, weil es jenseits des Erwerbslebens nun einmal nur noch sehr eingeschränkte Möglichkeiten gibt, die finanzielle Lage aus eigener Kraft zu verbessern. Außerdem fühlen wir uns fachlich und persönlich nicht qualifiziert, Anderen finanzielle Ratschläge zu geben, schon gar nicht zur Altersvorsorge. Nicht einmal eigene Erfahrungen zur Rente können wir weitergeben, da wir zu lange im Ausland gelebt haben, um uns mit dem deutschen Rentensystem auszukennen. Auch das Riestern und Rürupen war und ist für uns ein Buch mit sieben Siegeln.

Das Thema der Altersarmut hingegen haben wir im Buch ausführlich besprochen - deutlich bevor im April 2016 auch die Politik darauf aufmerksam wurde und plötzlich von den noch kurz zuvor geäußerten Beschwichtigungen nichts mehr wissen will ...

 

Materielle Situation

 

»Dass es mir finanziell gut geht, dass ich finanziell keine Sorgen habe« ist ein ebenfalls vorrangig genannter Wunsch bei Umfragen unter Älteren. Nur allzu verständlich.

 

Studien vermitteln uns unisono, dass die materielle Situation der älteren Generation heutzutage wesentlich gefestigter sei als noch vor 20 oder 30 Jahren. Heute seien die älteren Menschen mit ihrer materiellen Lage zufriedener als jede andere Generation zuvor, die finanziellen Spielräume hätten sich im Vergleich zu anderen Altersgruppen in den letzten Jahrzehnten hervorragend entwickelt. Dazu wohnten überdurchschnittlich viele Menschen der Altersgruppe ab 65 Jahren in einer eigenen Immobilie, was weitere erhebliche finanzielle Vorteile mit sich bringe.

 

Im Gegensatz dazu stehen die Aussagen zu Armutsrisiko und Armutsgefährdung im Alter, die wir schon ausführlich besprochen haben und die von der Politik regelmäßig relativiert oder zurückgewiesen werden.

 

Trotz aller Behauptungen des Gegenteils ist eine Auseinanderentwicklung der finanziellen Spielräume der sozialen Schichten zu beobachten. Um es einfach auszudrücken: Die Gutsituierten konnten ihre Situation verbessern, die der ohnehin Einkommensschwächeren wurde weiter geschmälert. Unterbrochene Erwerbsbiografien und zurückgehende Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden unserer Ansicht nach in der Zukunft dafür sorgen, dass sich die Einkommenssituation der Älteren in Deutschland durchschnittlich verschlechtert und sich die Schere zwischen den sozialen Schichten noch stärker öffnet.

 

Problematisch ist, wenn die negative materielle Situation erst gegen Ende des Erwerbslebens erkannt wird. Bekanntlich setzen sich die finanziellen Gegebenheiten im Alter aus den im Laufe des Lebens erworbenen Alterssicherungsansprüchen und einem eventuellen privaten Vermögen zusammen. Ist erst einmal das Erwerbsleben beendet, werden die Möglichkeiten, daran etwas positiv zu ändern, deutlich geringer.

 

Sehen wir von Glücksspiel (bitte nicht!!!) ab, bleibt vielleicht die Möglichkeit einer Erbschaft. Auf die Deutschen kommt ein gewaltiges Vermögen zu. Bis zum Jahr 2020 sollen einer Studie zufolge 2,6 Billionen (2.600 Milliarden!) Euro vererbt werden. Vielleicht gehören Sie ja zu den Glücklichen, aber insgesamt wird sich diese riesige Erbschaftssumme äußerst ungleich verteilen und werden die Erbschaften das Wohlstandsgefälle weiter verschärfen. Tendenziell erben diejenigen, die ohnehin schon gut verdienen und wohlhabender sind als der Durchschnitt. Das erklärt sich damit, dass Besserverdiener in der Regel eine bessere Ausbildung genossen haben, weil sie im Gegensatz zum Durchschnitt der Bevölkerung aus einem wohlhabenden Elternhaus stammen, das mehr Geld in die Bildung der Kinder investieren konnte.

 

Alles in allem und statistisch gesehen, geht es den deutschen Ruheständlern offensichtlich durchschnittlich besser als den meisten Senioren in anderen Ländern, was für den Einzelnen natürlich nur ein schwacher Trost ist, wenn am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig ist.

Dies soll alles andere als zynisch klingen, ist es doch leider Realität. 

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Stichwort Individualisierung

Von unserer Arbeit an dem Buch »Die Alten 3.0« stammt eine Reihe mehr oder minder durchformulierter Texte und Fragmente, die es nur in den Vorentwurf des Buchs, aus verschiedenen Gründen aber nicht in die Endfassung geschafft haben. Einige dieser Texte werde ich hier von Zeit zu Zeit aufgreifen.

 

Individualisierung - dieser Begriff wird in Alltagssprache und wissenschaftlichem (soziologischen) Diskurs unterschiedlich verstanden. Dort wurde er von dem Soziologen Ulrich Beck 1986 als ein wichtiges Stichwort gesellschaftlichen Wandels in die Diskussion eingebracht. Dabei geht es um den Übergang des Individuums von der Fremd- zur Selbstbestimmung. Dazu gehört, dass der Einzelne für seinen Lebenslauf zunehmend selbst verantwortlich wird, was zu einer Vielfalt von Werdegängen führt: 

 

In unserer heutigen Welt kommt es mehr und mehr zu unterschiedlichen, individuellen Biografien, die nicht mehr der Tradition folgenden und nur eine Richtung kennen – nämlich: Ausbildung, Arbeit, Heirat, Kinder, Rente, Tod … –, sondern selbstbestimmt entlang von Brüchen, Umwegen und Neuanfängen verlaufen.

Die Individualisierung hat unsere Gesellschaft und unsere Arbeitswelt maßgeblich verändert: Die Klassenstruktur der traditionellen Industriegesellschaft (Arbeiter, Angestellte, Führungskräfte) mit begrenzten sozialen Aufstiegsmöglichkeiten und jeweils eingeschränkter Auswahl auszuübender Berufe gibt es in dieser Form längst nicht mehr, selbst wenn die soziale Herkunft im Ausbildungs- und Berufsleben noch eine gewisse Rolle spielen. Gegen alle Widerstände konnte sich ein freierer und klassenunabhängiger Zugang zu den unterschiedlichsten Ausbildungsformen entwickeln. Es besteht, ungeachtet der eigenen Herkunft, die (allerdings oft steinige oder gar schmerzhafte) Möglichkeit des sozialen Aufstiegs – und natürlich des Abstiegs. Entsprechend wird Armut und Arbeitslosigkeit nicht mehr als kollektives und typisches Schicksal einer bestimmten Klasse oder Schicht, sondern als selbst verschuldetes und individuell zu durchleidendes Einzelschicksal wahrgenommen.

 

Nicht nur Gesellschaft und Arbeitswelt haben sich gewandelt, auch Ehe und Familie haben geradezu spektakuläre Veränderungen durchgemacht. Geheiratet wird längst nicht mehr aus wirtschaftlichen oder vernünftigen Gründen und schon gar nicht mehr »bis ans Ende unseres Lebens«. Angestrebt werden vielmehr funktionierende Liebesbeziehungen und gleichberechtigte Partnerschaften, die sogar im fortgeschrittenen Alter aufgegeben werden, wenn sie nicht mehr tragbar erscheinen. Selbst Scheidungen im Alter von 70 oder 80 Jahren sind nicht mehr ungewöhnlich. Trauschein und kirchlicher Segen sind zweitrangig, genauso wie »uneheliche Kinder« längst kein Thema mehr sind. Andere Konstellationen, seien es Patchwork-Familien oder gleichgeschlechtliche Partnerschaften, haben längst genauso breite Akzeptanz gefunden, wie das Leben als Single.

 

Diese moderne Gestaltungsfreiheit unseres Lebens bedeutet, dass wir alle getroffenen Entscheidungen mit den jeweiligen Konsequenzen selbst verantworten müssen.

 

Auch das Älterwerden ist von diesem gesellschaftlichen Individualisierungstrend betroffen. Entsprechend bedeutet Individualisierung im Alter nicht nur Freisetzung aus traditionellen Rollen und Gesellschaftsschichten, sondern ist verbunden mit der Voraussetzung, das Leben für das Alter und im Alter eigenverantwortlich zu planen und zu gestalten. Mag beispielsweise ein unabhängiges Leben als Single in jüngeren Lebensjahren erstrebenswert sein, können sich im Alter Schwierigkeiten ergeben, wenn nicht vorgesorgt wurde. Gerade dies bedeutet für nicht wenige Menschen, dass sie sich heillos überfordert fühlen.

 

Ein weiterer Trend dieses Individualisierungsprozesses – um noch eins draufzusetzen – wird laut Trendforscher Peter Wippermann ('Länger leben, länger lieben – Das Lebensgefühl der Generation Silver Sex') künftig den Tod erreichen. Wir werden häufiger selbst entscheiden (müssen/dürfen?), wann wir unserem Leben ein Ende setzen wollen, anstatt diese Entscheidung der Biologie oder der Gerätemedizin zu überlassen. Es geht nicht um Verzweiflung, sondern um Selbstbestimmung.

 

Wie geht es Ihnen angesichts dieser Möglichkeiten aber auch steigenden Verantwortung?

Was denken Sie über die Freiheit, unser Leben nicht nur zu gestalten, wie es uns beliebt, sondern auch zu beenden, wann wir es wollen? Steht uns diese Freiheit - moralisch - überhaupt zu?

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Altersarmut

1975 schrieb der US-amerikanische Gerontologe Robert N. Butler das nicht ins Deutsche übersetzte Werk Why Survive? Being Old In America. (Warum überleben? Alt sein in Amerika), wofür er mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde:

 

"The tragedy of old age is not the fact that each of us must grow old and die, but that the process of doing so has been made unnecessarily and at times excruciatingly painful, humiliating, debilitating, and isolating through insensitivity, ignorance, and poverty. For the most part, the elderly struggle to exist in an inhospitable world."

(Die Tragödie des Alters ist nicht die Tatsache, dass jeder von uns alt werden und schließlich sterben muss, sondern dass der Alternsprozess aufgrund von Unsensibilität, Unwissenheit und persönlicher Armut unnötigerweise und manchmal unerträglich schmerzhaft, demütigend, lähmend und isolierend verläuft. In den meisten Fällen kämpfen die Alten, um in einer unwirtlichen Welt zu existieren.)

 

Er, Butler, war es auch, der den Begriff ageism prägte, der Altersfeindlichkeit als Form sozialer und ökonomischer Diskriminierung erkennt - eine negative Wahrnehmung des Alters, die zusammen mit einer Stigmatisierung sowohl des Alternsprozesses als auch des Zustandes Altsein einhergeht und die vielfältigen gesellschaftlichen Ausgrenzungsmechanismen von Menschen aufgrund ihres Alters beschreibt. Diese Altersdiskriminierung ist nur selten Thema in unserer Gesellschaft - wegschauen und verdrängen ist so viel einfacher. Jedoch nur, so lange man nicht selbst betroffen ist ...

 

Nun wird zumindest das Thema Altersarmut gerade in das öffentliche Bewusstsein gespült. So berichtet die Tagesschau am 12. April 2016:

 

"Den Lebensabend in Ruhe und Wohlstand verbringen - das war einmal. Denn die gesetzliche Rente reicht bei den meisten Deutschen gerade für das Nötigste. Laut WDR-Berechnungen droht 2030 jedem zweiten Neurentner die Altersarmut."

 

Natürlich absolut keine Neuigkeit, sondern längst bekannt, nur verdängt.

 

Sogar wir haben in unserem Buch bereits gewarnt. Ausschnitt:

 

"Und Altersarmut?

Kein Thema in unserer schönen Scheinwelt. Das kehren wir lieber unter den Tisch, nicht wahr? Vielmehr gelten die über 60-Jährigen verallgemeinernd als diejenigen mit der höchsten Konsumkraft im Lande. Nur allzu gerne von der Wirtschaft aufgegriffen, erobern die »jungen Alten« die Werbung. Sie zu umgarnen, lohnt sich: Bei den Politikern sind sie gleichermaßen beliebt. Sie strahlen ja aus: Seht nur, wir – die Politiker – haben alles richtig gemacht. Uns ist es zu verdanken, dass die Senioren ihren Lebensabend hemmungslos genießen können, sogar wenn er jahrzehntelang dauert. So lange Ihr uns wählt, geht es Euch gut. Natürlich sehen sich die meisten Menschen viel lieber dieser als der bedauernswerten Gruppe der armen Alten zugehörig.

 

Die Wahrheit aber ist, dass ... die gesetzliche Rente schon längst nicht mehr vor Altersarmut schützt. Wer dies vermeiden will, dem bleibt nur die Aufstockung, Normal- oder Geringverdienern vor allem durch die Riester-Rente. Doch wie sollen sie das finanziell schaffen, wenn schon die einfache Lebensführung den Lohn auffrisst? Die meisten schaffen es nicht.

 

Immer mehr Menschen gehen im Rentenalter einer bezahlten Beschäftigung nach, weil sie finanziell darauf angewiesen sind. In den letzten zehn Jahren hat sich ihre Anzahl verdoppelt und liegt derzeit bei knapp einer Million. Die Branchen mit den meisten älteren Minijobbern sind der Handel und die Gastronomie. Dabei handelt es sich überwiegend um Hilfstätigkeiten, die kaum Vorkenntnisse und keine Ausbildung voraussetzen, aber nur mit oft erheblichem körperlichen Einsatz zu bewältigen sind: Verkauf, Service, Auslieferung, Fahrdienst, Reinigung, Gartenarbeit, Kranken-und Altenpflege, Kinder- und Altenbetreuung und andere mehr.

 

Schon an der Art dieser Tätigkeiten, die als untergeordnete Hilfsarbeiten weitgehend mit Aushilfsjobs identisch sind, die vorrangig Jugendliche und Studenten ausführen, um sich ein Taschengeld zu verdienen, ist ersichtlich, dass dieser Teil der älteren Menschen nicht zum Spaß oder aus Zeitvertreib, sondern aus blanker finanzieller Not arbeitet. Arbeiten, die aus innerem Antrieb, Interesse und Freude verrichtet werden, sehen anders aus.

 

Es scheint, dass die von Altersarmut betroffenen Menschen mit Verweis auf die Grundsicherung mit ihren Sorgen und Nöten weitgehend allein gelassen werden. Und keine Spur eines überzeugenden, aussichtsreichen Plans, dieses Dilemma und hochkomplexe Problem in den Griff zu bekommen."

 

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Fördermöglichkeiten ohne Ende. Koordination? Fehlanzeige.

Im Rahmen des Modellprogramms "Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben" fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nun bis 2019 bundesweit 29 Projekte, die zeigen sollen, wie das gemeinschaftliche Wohnen für ältere und pflegebedürftige Menschen und für Menschen mit einfachem Einkommen geöffnet und zugleich ein Beitrag zum Zusammenhalt im Wohnumfeld geleistet werden kann. Zugleich werden bundesweit rund 300 Projekte gefördert, die das selbstständige Leben und Wohnen im Alter unterstützen.

 

Wie haben wir unten schon gesagt? Fördermöglichkeiten und Ausschreibungen ohne Ende. Koordination? Fehlanzeige. 

Wen es interessiert: Hier die Liste der ausgewählten Projekte (PDF-Datei).

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Alte sind komisch und eine Herausforderung für die Nerven?

Sie können eine Herausforderung für die Nerven sein. Oder die Rettung, weil sie die Ruhe und Erfahrung haben, die Jüngeren fehlen. Als „Silver Surfer“ oder Ewiggestrige haben sie komisches Potenzial. Und gleichzeitig schaut ihnen der Tod über die Schulter. Alte Menschen geben wunderbare Romanfiguren ab.

 

Ich rege mich ja selten richtig auf.

Aber das steht ernstlich als Einleitung zu einer Vorstellung einiger Romane und Erzählungen, die von alten Menschen handeln in der Internet-Ausgabe des „Bücher-Magazins“, dem selbst ernannten „Premium-Magazin für anspruchsvolle Literaturfans“. 

 

Seine Leserstruktur beschreibt das Magazin so: „[Die Leser sind] … vorwiegend weiblich (65%), gebildet und haben ein großes Interesse an der Literatur sowohl in Buch- als auch in Hörbuch-Form. Die meisten Leser sind älter als 35 Jahre und verfügen über ein höheres Haushaltseinkommen.“

 

Hoffentlich sind die Leser nicht so ignorant und vorurteilsbehaftet, wie das Magazin sie offensichtlich einschätzt und wie der unbekannte Verfasser zweifelsohne ist. Ihm oder ihr möchte ich zurufen: „Übrigens … alte Menschen waren auch mal jung – und sind höchstens in Ihrer Fantasie Kandidaten für die Kuriositätenkabinette und Freakshows der historischen Jahrmärkte.“

 

 

Doch was soll’s – es lohnt nicht. Der- oder diejenige wird es im besten Fall selbst erleben, nämlich, wenn es ihm oder ihr vergönnt ist, das Seniorenalter selbst zu erreichen :-)

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Wie wahr!

"Ja, der Demografische Wandel ist in Deutschland angekommen. Eine Unzahl von Studien, Analysen, Preisen, Kongressen, Initiativen, Projekten zum Thema türmt sich auf den Schreibtischen", schreibt Andreas Knaut auf Demografiewandel.info und fragt sich: "Aber warum werkeln hunderte Vereine, zwar voll guten Willens, aber verbissen nebeneinander her? Kein Verband, der nicht noch ein eigenes Projekt zu den Bestehenden setzt, kein Institut, dass eine eigene Marktstudie betreibt, dazu ein wahres Übermaß an Fördermöglichkeiten und Ausschreibungen. Koordination? Fehlanzeige. Auch die BAGSO, selbsternannter Seniorenlobbyist, hält sich vornehm zurück, referiert lieber das Chaos, als es zu ordnen."

 

Genau die Gedanken, die uns während der Recherche zum Buch durch den Kopf gingen.

So ist es im übrigen auch mit dem von Knaut geleiteten Projekt. Demografiewandel.info wolle dem demografischen Wandel eine Stimme verleihen und dabei helfen, "unser Bild vom Alter positiv zu verändern". Der dritte Lebensabschnitt sei ein "Aktivstand, kein Ruhestand". Es will Sprachrohr für alle sein, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

 

Bis heute war mir diese Initiative entgangen. Also ... eine weiteres Projekt, eine weitere Webseite, die es zu lesen und einzuschätzen gilt.

 

Mir wäre lieber, es würde sich um die selbst geforderte Koordination handeln, denn der (oft leeren) Worte sind mittlerweile in der Tat genug gewechselt.

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Projekt Silbernetz

Eine Vision, die wir in dem Buch besprechen, ist ja die vermehrte Nutzung des Internets und der neuen Medien durch die nun aus dem Erwerbsleben ausscheidende Generation.

Gleichzeitig verteten wir bekanntlich die Auffassung, dass besonders wir, die vergleichsweise aktiven und jüngeren Alten, für die Menschen im 4. Lebensalter eine besondere Verantwortung haben.

 

Wie dies zusammen passt und wie Verantwortung sinnvoll wahrgenommen werden könnte, haben wir erst kürzlich entdeckt: Das Projekt Silbernetz entwickelt ein Kontaktnetzwerk für allein lebende Senioren und bedient sich dabei überwiegend des Telefons. Angelehnt an die Idee der Telefonseelsorge soll eine bundesweite, rund um die Uhr erreichbare kostenlose Telefonnummer eingerichtet werden, die vereinsamten älteren Menschen ein Weg aus der Isolation bieten will.  Es soll sich nämlich nicht einfach um eine weitere Hotline handeln, sondern den Menschen wird regelmäßiger Kontakt angeboten. Bei Interesse werden sie künftig von Silbernetz-Freundinnen und -Freunden zu einer fest vereinbarten Zeit einmal wöchentlich für eine ganze Stunde angerufen und können sich in aller Ruhe zu allen möglichen Themen austauschen und unterhalten.

 

Initiatorin ist die Berliner Seniorenvertreterin Elke Schilling. Der aktuelle Stand des Projekts lässt sich auf der Webseite von Silbernetz abrufen. 

 

Wir wünschen uns sehr, dass dieses Projekt nicht nur in Berlin, sondern bundesweit realisiert werden kann. Denn: Da schließt sich der Kreis!

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Keine Korrekturen möglich

Gerade habe ich bemerkt: Wenn ein Blog-Beitrag einmal frei geschaltet ist, sind keine inhaltlichen Änderungen mehr möglich. Auch Tippfehler lassen sich nicht mehr korrigieren.

 

Das gefällt mir gar nicht, denn ich bin gegenüber Tippfehlern - vor allem den eigenen - ausgesprochen intolerant. Einmal entdeckt, stören sie mich ungemein. Doch beim Korrekturlesen, selbst wenn es sorgfältig und konzentriert geschieht, übersehe ich bei eigenen Texten immer wieder Fehler, die mir später umso deutlicher ins Auge springen.

 

Nun werde ich wohl damit leben müssen, dass in diesem Blog eine Reihe Tipp- und Inhaltsfehler vorkommen. Und Sie auch.

Ich hoffe, Sie können damit  besser umgehen, als ich. Ich kann leider nur noch sagen: "Wer hier einen Tippfehler findet, darf ihn gern behalten."  ;-)

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Warum eigentlich BoD und kein "ordentlicher Verlag"?

Wir wurden schon öfter gefragt, warum wir dieses Buch als Book on Demand veröffentlicht haben und uns ob uns denn kein "ordentlicher Verlag" unter Vertrag nehmen wollte.

 

Ich erkläre das gerne nochmal.

Hier ist die Kurzform:

Wir haben selbst und ohne Not entschieden, es einmal als Self-Publisher zu versuchen.

Vorherige Kontakte mit zwei Verlagen verliefen grundsätzlich positiv. Beide wollten das Buch veröffentlichen, boten uns auch recht ordentliche Konditionen an - wollten allerdings erhebliche Eingriffe in Konzept und Inhalt vornehmen, was wir wiederum keinesfalls wollten.

 

Und hier die lange Langform ;-):

 

Das erste Buch

1976 suchten mein früherer Mann und ich nach einem türkischen Kochbuch in deutscher oder englischer Sprache und wurden einfach nicht fündig. Bei einem Gespräch mit einem Buchhändler (beim Hugendubel am Münchner Marienplatz, ich erinnere mich ganz genau) meinte dieser grinsend: Warum schreiben Sie eigentlich nicht selbst eines? 

 

Oh! Diese Idee war klasse! Sie ließ uns nicht mehr los.

 

Wir wollten aber kein gängiges Kochbuch schreiben - dazu fehlten uns unserer Meinung nach Kochkenntnisse und Praxis, sondern wollten eine Reihe ausgesuchter Rezepte mit einer Geschichte verbinden. Simmels Buch "Es muss nicht immer Kaviar sein" ging mir dabei immer wieder durch den Kopf. Für einen Roman, noch dazu in dieser Qualität, wußte ich, fehlt mir die Begabung, aber ein Bericht unserer damaligen ausgiebigen Rundreisen quer durch das Land, mit vielen Erlebnissen und kulinarischen Begegnungen traute ich uns zu.

Mein Mann sollte kochen, und ich wollte federführend schreiben und die Gerichte fotografieren.

 

Schließlich wandten wir uns mit diesem Konzept und einem Probekapitel an drei Münchner Verlage - und bekamen fast postwendend drei Angebote. Wow, wir waren begeistert und unterzeichneten schließlich einen Vertrag beim (inzwischen nicht mehr existierenden) traditionellen Heimeran Verlag. In den Verhandlungen hatten alle drei Verlage aber das Konzept abgelehnt - mit der Begründung, Reiseberichte gäbe es genug, doch türkische Kochbücher noch gar nicht auf dem deutschen Markt. Es solle also ein ganz konventionelles werden. Wir knickten schnell ein, bedeutete dies für uns schließlich erheblich weniger Arbeit. Außerdem hatten wir natürlich einfach Lust, ein eigenes Buch zu schreiben, wie so viele andere Menschen auch. Auch spiele der für uns Neulinge großzügige Vertrag einschließlich üppigem Vorschuss durchaus eine Rolle.

 

Die Arbeit schrieb ich auf einer auf IBM-Kugelkopfschreibmaschine im Original mit drei Durchschlägen. Sie gestaltete sich letztlich problemlos, zog sich zeitlich aber auch fast ein Jahr hin, weil der Verlag mehrere Konzeptänderungen vornahm und bewundernswert genau, aber auch gemächlich arbeitete. Nach drei Durchgängen war das Material druckreif.

 

Auf Titel, Umschlaggestaltung, Umfang und Erscheinungsdatum hatten wir keinerlei Einfluss. Schließlich entstand ein hübsches Büchlein in Hardcover mit dem Titel Aus türkischen Küchen, das unsere Rezepte auf 104 Seiten ohne Fotos enthielt und Anfang 1978 veröffentlicht wurde. Allerdings waren wir nicht die Ersten - ein anderer Verlag hatte noch 1977 ein Taschenbuch herausgebracht.  Spätestens im folgenden Jahr konnte man die Neuerscheinungen schon kaum mehr zählen.

Das erste Buch, erschienen 1978. (Nicht wundern: Damals trug ich noch einen anderen Familiennamen.)
Das erste Buch, erschienen 1978. (Nicht wundern: Damals trug ich noch einen anderen Familiennamen.)

Eigentlich gab es ein Happy-End: Das Büchlein erreichte drei Auflagen, es wurden fast 20.000 Exemplare verkauft, und wir verdienten tatsächlich richtig Geld damit.

 

Als uns Ende der 1970er Jahre die Nachricht erreichte, dass der Heimeran Verlag aufgelöst wurde, waren wir nicht übermäßig traurig, denn der Geldfluss in letzter Zeit deutlich nachgelassen hatte. Inzwischen hatte fast jeder Kochbuchverlag ein eigenes Werk und die Konkurrenz war riesig.

 

Vor allem: Trotz allem wirtschaftlichen Erfolg hätten wir doch lieber die Ursprungsidee verwirklicht und wären wir wirklich gern das erste türkische Kochbuch auf dem deutschen Markt gewesen zu sein.

 

 

Das zweite Buch

Umso größer war die Überraschung, als uns 1986 der BLV-Verlag anschrieb. Man hatte Rechte an Kochbüchern aus dem Nachlass des Heimeran Verlags erworbenen und bot uns nun an, eine Neuerscheinung zu machen, dieses Mal als Taschenbuch mit mehr und anders formulierten Rezepten und zahlreichen (selbst zu schießenden) Rezeptfotos. 

 

Es wurde also eigentlich ein völlig neues, erweitertes Werk. Leider zu wesentlich schlechteren Konditionen als zuvor. Doch den meisten Autoren, jedenfalls den neuen und den unbekannten, wird nur das "Vogel-friss-oder-stirb"-Konzept angeboten.  Und meist ist man doch so interessiert und letztlich geehrt, dass kaum jemand solche Verträge ablehnt.

 

Nach richtig viel Arbeit erschien also Ende 1986 die Wiedergeburt der "türkischen Küchen".

Das zweite Buch,

erschienen 1986:

Bei diesem Buch kann man nicht unbedingt von einem Happy-End sprechen, aber wir verkauften immerhin, nach einer zweiten Auflage, rund 7.500 Exemplare, doch von den Verkaufserlösen blieb bei uns Autoren kaum mehr etwas hängen. Und so ereilte dieses Buchprojekt einen stillen Tod auf Raten - von uns nicht sonderlich bereut. 

 

 

Das dritte Buch

Zehn Jahre und einen Ehemann später hatte ich wieder eine Buchidee - nämlich die damals durchaus ungewöhnliche Geschichte unseres Kennenlernens in eine philosophische Betrachtung des Internets zu verpacken. Arbeitstitel: Die fünfte Dimension. Das Internet als diese fünfte Dimension erweiterte in meiner Vorstellung die vier Dimensionen der Raum-Zeit und erschafft damit ein neue spirituelle Welt der Phantasie.

 

Okay, bitte nicht lachen. Es ist gar nicht so verrückt, wie Sie vielleicht denken ;-). Ich finde die Idee immer noch gut, bereue, meine damaligen Probetexte verloren zu haben. Ich würde es gern noch einmal lesen, vielleicht sogar überarbeiten. Ich beschrieb damals, in dieser Frühphase des Internets - zum Großteil noch vor der Existenz des WWW - meine Erlebnisse im Internet. Quasi philosophische Spaziergänge und Streifzüge durch eine geheimnisvolle Welt, in der ich unglaublich viele Menschen mit unglaublich interessanten Geschichten aus der halben Welt begegnete.

 

Die heute so zahlreichen seriösen und unseriösen Partnerbörsen und Partnervermittlungen gab es damals nicht, und trotzdem lernten sich viele Menschen auch ganz persönlich und sehr intensiv kennen. Bei weitem nicht nur mein Mann haben sich im Internet kennen und lieben gelernt.

 

Ich konnte meinen Mann schließlich davon überzeugen, dass wir gemeinsam dieses Buch schreiben. Wieder fertigte ich ein Exposé an und verschickte es an mehr als zehn Verlage - die gar nicht bis zurückhaltend reagierten. Nur zwei zeigten echtes Interesse.

 

Während ein Verlag sich erst entscheiden wollte, wenn das gesamte Buch fertig geschrieben war, winkte der andere nach einem persönlichen Treffen sofort mit einem Vertrag einschließlich eines zwar nicht hohen aber doch interessanten Vorschusses. Und wir unterschrieben.

 

Nun allerdings kamen die Probleme: Ein erster abgelieferter Teil des Buches wurde nicht akzeptiert, sondern wir wurden gebeten, alles neu zu schreiben und insgesamt das Thema Partnersuche im Internet in den Fokus zu stellen. Das wäre es, was aktuell hohes Interesse und eine entsprechende Auflage fast garantiere. 

 

Wir waren enttäuscht, aber wie es so ist: Wir ließen es mit uns machen, denn wir fanden den Verleger sehr nett, hatten schließlich einen Vorschuss kassiert und fühlten uns in der Pflicht. Also nahmen wir Urlaub, fuhren wir in die Toskana, mieteten uns drei Wochen in ein Ferienhäuschen ein und schrieben das Buch nochmal komplett neu, ich befürchte im Stil der Groschenromane. Alles, was in dem Buch steht, stimmt und ist tatsächlich so passiert - aber haben Sie schon einmal Liebesgeschichten im Sachbuchstil gelesen? Nein? Dann überzeugen Sie sich selbst: Das Buch - sein endgültiger Titel war übrigens Cyberrom@nzen - gibt es hin und wieder noch im Antiquariat. Mehr als 99 Cents sollten Sie allerdings nicht investieren ;-)

Das dritte Buch: Cyberrom@nzen von 1996.
Das dritte Buch: Cyberrom@nzen von 1996.

 

 

Wie erfolgreich das Buch war, wissen wir übrigens bis heute nicht. Wir erhielten keine Abrechnungen und der Verlag teilte uns weder die Auflagenhöhe noch die Anzahl der verkauften Exemplare mit. Alles was wir ja daran verdienten, war der Vorschuss.

 

In einem einzigen persönlichen Gespräch mit dem Verleger viele Monate nach Erscheinen des Buches meinte er, das Buch sei kein Erfolg gewesen und er hätte draufgezahlt. Allerdings war uns nicht entgangen, dass sich der Verlag in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand: Wir hatten weitere Verträge für Anthologien, deren vertraglich vereinbarte Honorare man ebenfalls schuldig blieb. Eines dieser Honorare klagten wir ein - und der Verlag zahlte im Mahnverfahren auf die letzte Minute den eingeklagten Betrag ohne die ebenso geschuldeten Verfahrenskosten. Wir betrieben die Klage nicht weiter und verzichteten auch auf Geltendmachung der anderen Forderungen. Hier war jeder weitere Bemühung zwecklos.

 

Wir haben daraus einiges gelernt. Derartige "Geschäftsbeziehungen" werden wir nicht mehr eingehen. Auf "herkömmliche" Art und Weise hätte wir daher wohl kein Projekt mehr in Angriff genommen, aber nachdem Books on Demand mittlerweile nicht nur Gang und Gäbe, sondern sogar schon halbwegs akzeptiert sind, haben wir uns dafür entschieden, diesen Weg einfach einmal zu probieren.

 

Uns ist besonders wichtig, die Kontrolle über die Arbeit zu behalten und über die Inhalte selbst zu entscheiden. Nichts gegen ein Lektorat, ganz im Gegenteil, Lektoren sind ein wahrer Segen. Aber weitgehende inhaltliche Eingriffe und ganze Konzeptänderungen wollen wir einfach nicht mehr akzeptieren.

 

 

Das vierte Buch

So also kam es zu Die Alten 3.0. Bis auf ein Korrektorat von vorn bis hinten und oben 

 

Im Vorfeld hatten wir Kontakt mit zwei Verlagen. Bei einem bestand lediglich Interesse am mittleren Teil, also der Beschreibung der heutigen Situation der Altengeneration, ergänzt um Tipps für ein "gelingendes Altern". Also ein nettes Ratgeberbüchlein. Wären wir allerdings die richtigen Personen, die einen solchen Ratgeber schreiben sollten? Wir denken nein.

 

Aus dem anderen Verlag verlautete, man wolle gern mit uns zusammen arbeiten, das Buchkonzept sei auch interessant, aber schwer zu vermarkten, weil es verschiedene Sachbuchgattungen umfasse. Man wolle uns gern Vorschläge für eine "Optimierung" machen. Nein, das wollten wir nicht.

 

 

Die gesammelten Werke von Roswitha Casimir und Roger Harrison.
Die gesammelten Werke von Roswitha Casimir und Roger Harrison.
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Sonnenschein

Es ist empfindlich kalt, aber die strahlende Sonne entschädigt und ermuntert zum Aufenthalt im Freien. Wie jedes Jahr freue ich mich wieder "tierisch" auf das Frühjahr, den Frühsommer und auch den Sommer, wenn er denn nicht zu heiß wird. Ich freue mich auf Gartenarbeit und überhaupt die Nutzung unseres Gartens :-)

 

Zum Buch: Die Mail an BoD ist bislang unbeantwortet, doch wenigstens haben wir die erste Rückmeldung, dass eine Amazon-Bestellung ausgeführt und zugestellt wurde. Nun hoffe ich einfach, dass sich alles einspielt und das Buch tatsächlich überall lieferbar ist, wie versprochen.

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Immer noch nicht <seufz>

Was ich zunächst nur als ein wenig unangenehm empfand, weitet sich mittlerweile zu einem Ärgernis aus: Obwohl als am 5. Februar 2016 erschienen ausgezeichnet, ist das Buch immer noch nicht "wirklich" lieferbar.

Unsere Autorenexemplare waren bereits am 12. Februar bei uns. doch wir haben mehrere Rückmeldungen, wonach Bestellungen in einem örtlichen Buchladen bereits seit über 2 Wochen ausständig sind und niemand sagen kann, wann geliefert wird.

Bei buchhandel.de heißt es: Lieferbar in 2-3 Tagen", bei anderen "lieferbar in 3 bis 8 Tagen". Amazon hat bereits seit einiger Zeit den Vermerk "Nur noch 1 auf Lager (mehr ist unterwegs)" - doch zumindest eine uns bekannt gewordene Bestellung über Amazon ist seit 10 Tagen ausständig, ohne dass bisher ein Liefertermin genannt wurde.

Ich finde diese Verwirrung hinderlich und ärgerlich, ein Marketing wird sehr erschwert. All die Pressemitteilungen, die ich verschickt habe, waren mehr oder minder für die Tonne. Was nützen Zeitungsveröffentlichungen, wenn das Buch gar nicht lieferbar ist? Die Menschen denken nicht wochenlang daran, ein bestimmtes Buch zu kaufen, sie handeln spontan.

Wir hatten uns seinerzeit aus verschiedenen Gründen für Books on Demand entschieden, nicht zuletzt auch wegen der laufenden Verfügbarkeit der Bücher. Die jetzigen Erfahrungen bringen uns etwas auf den Boden der Tatsachen zurück :-(

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Die Luft ...

Nein, so ganz ist sie nicht raus, die Luft. Mehr ein Durchatmen. Erst jetzt merke ich doch, wie anstrengend vor allem die letzten Wochen waren. Auch wenn es wahrlich lange gedauert hatte, bis aus einer vagen Idee ein fertiges Buch wurde - rund 15 Jahre immerhin -, so enstand doch um den Jahreswechsel 2015/16 herum das Gefühl, nun aber wirklich Gas zu geben und zum Ende zu kommen. Mit der Folge, dass wir uns so manche Nacht um die Ohren geschlagen haben.

Da wir uns derzeit in einer Zwischenphase, quasi in der Schwebe, befinden, ist das auch nicht schlimm, Zeit durchzuatmen ist da. Zwar wurden bereits eine Reihe Rezensionsexemplare angefordert und das eine oder andere Buch bestellt (Dankeschon dafür!), doch Rückmeldungen gibt es noch nicht. Zeit also, sich auch mal wieder auf andere Dinge zu konzentrieren, ein wenig geistigen Frühjahrsputz zu machen, den Schreibtisch endlich mal wieder aufzuräumen ...

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Ein wenig unangenehm ...

... und für das nächste Mal - so es denn eines gibt (lach) - unbedingt zu erinnern ist, dass Amazon ziemlich lange braucht, bis ein erschienenes Buch als lieferbar gekennzeichnet wird. Bei den E-Books geht das raz faz, wenn ich mich recht erinnere, schon einen Tag nach der offiziellen Erscheinung am 5.2.

Aber erst heute, 23.2., wird auch die gedruckte Ausgabe als lieferbar gekennzeichnet. Warum mit dem Vermerk "nur noch 1 Exemplar lieferbar", kann ich nicht nachvollziehen. Es sei denn, wir hätten bereits 10.000 Stück verkauft (hust).

 

Hätte ich das vorher gewusst,, wäre ich erst jetzt an die Öffentlichkeit gegangen und hätte einer Reihe williger Leser eine Rückfrage erspart ...

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Zeitungsartikel

Ganz schön schnell, die GN ;-) Grafschafter Nachrichten vom 11.2.2016
Ganz schön schnell, die GN ;-) Grafschafter Nachrichten vom 11.2.2016
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Foto: © 2016 Willy Ankoné, http://www.ankone.de/
Foto: © 2016 Willy Ankoné, http://www.ankone.de/

Ja, wer bloggt denn hier?

 

Es ist die eine - natürlich die bessere, hihi - Hälfte des Autorenteams Casimir/Harrison.

 

Roger schreibt ja zum einen überwiegend in Englisch und ist in Deutsch immer unsicher. Was er gar nicht sein müsste, denn sein Deutsch ist vorzüglich. Aber so ist das nun einmal mit eigenen Unsicherheiten.

Zum anderen konnte ich ihn noch nicht so recht überzeugen, hier eine Art Tagebuch über die Veröffentlichung dieses Buches zu schreiben. Macht auch nichts, ich übernehme das gerne.

Dafür sorgt er schließlich für die Technik, die künstlerische Gestaltung, die Aufbereitung der Fotos und vieles mehr. Alles Dinge, die ich weder gut kann noch gern mache.